Wiederaufbau

Dem Pfarrer, Geistlicher Rat Rödelstab, standen in jenen schweren Tagen sowohl Pater Richard Haas als auch Vikar Hans Schöffel tatkräftig zur Seite. Auch die Schar der freiwilligen Helfer wurde durch aus der Gefangenschaft Heimkehrende größer. Vor allem waren viele Frauen mit dem Säubern von Backsteinen beschäftigt, die man zum Aufbau dringend benötigte. Männer und Jugendliche legten tatkräftig Hand an, als die Kirche von dem meterhoch liegenden Schutt der herabgestürzten Gewölbe geräumt und dieser abgefahren werden musste. Allen gilt heute noch Dank und Anerkennung, die damals so selbstlos zugepackt haben. An einige Männer und Frauen unserer Gemeinde darf hier besonders erinnert werden, weil man ihre Bereitschaft nur bewundernd würdigen kann. Sie waren seit 1945 über Monate, manche sogar über Jahre, oft täglich, als freiwillige Helfer in ihrer Kirche, bis das Werk 1952 vollendet war.

Im September 1945 hat Architekt Gregor Schroeder auf Wunsch von Erzbischof Conrad die Leitung beim Wiederaufbau der Herz-Jesu-Kirche übernommen. Schon vier Wochen später, am 26. Oktober 1945, lag das Angebot der Bauunternehmung Bernhard Allgeier zur Eindeckung der Kirche mit einem Schindeldach vor. Das war die vordringlichste Arbeit, um die Kirche vor weiteren Witterungsschäden zu schützen.

Mit Erlass des Ordinariates vom 5. Februar 1946 wurde Pfarrkurat Franz Knecht von der St. Josefskuratie zur Mitarbeit in der Herz-Jesu-Pfarrei bestellt mit der Weisung, sich vordringlich der baulichen Wiederherstellung der Pfarrkiche und der Instandsetzung des Pfarrhauses anzunehmen.

Ein detaillierter Bericht von Kurat Knecht zum Jahresende 1946 zeigt einen beachtlichen Fortschritt. Als Wichtigstes ist die Fertigstellung der im November 1945 begonnenen Bedachung mit Holzschindeln genannt, ferner die Aufstellung des großen Gerüsts im Inneren der Kirche zur Sicherung der noch hängenden Gewölbeteile, die Verschalung der gesamten 400 Quadratmeter messenden Fenster mit Holz und Ersatzglas, die Beschaffung von 20.000 Backsteinen aus Trümmern von Privathäusern und nicht zuletzt der erste „Großputz", an dem sich eine große Zahl von Frauen beteiligt hat.

1947 konnte das nördliche Seitenschiff provisorisch abgedeckt und der Kirchenraum mit einer Zwischenwand aus Holz geschlossen werden. Dadurch war es möglich, im Sommer die Gottesdienste wieder in der Kirche zu halten. Für viele dürfte noch in Erinnerung sein, dass der Festgottesdienst anlässlich der Investitur von Pfarrer Dr. Hermann König am 28. September 1947 in der Kirche stattfand.

Leider hat der Wiederaufbau der Kirche auch ein Opfer gefordert. In der Frühe des 9. Januar 1947 hat eine Gewölberippe nachgegeben und der Bauhandwerker Otto Bartsch stürzte tödlich ab.